Fenster
Das Freiburger Münster besitzt noch viele Fenster aus der Entstehungszeit des Münsters (um 1200 bis Mitte des 16. Jahrhunderts). Die ältesten "Wurzel-Jesse-Scheiben" datieren in die Zeit um 1220. Berühmt sind aber vor allem die zahlreichen von den Handwerkszünften um 1330 gestifteten Fenster, die an ihren charakteristischen Symbolen, wie Brezel (Bäcker), Stiefel (Schuhmacher), Mühlrad (Müller) und Schere (Schneider) zu erkennen sind. Außerdem finanzierten Schwarzwälder Bergleute, die Universität, das habsburgische Kaiserhaus und wohlhabende Freiburger Familien die prachtvollen und kostspieligen Verglasungen.
Mit diesen frommen Stiftungen wollte man nicht nur das Münster verschönern, sondern man hoffte auch, das eigene Seelenheil und das seiner Angehörigen auf Dauer zu retten. Die Glasbilder mit den vielfältigen Darstellungen aus der Bibel und dem Leben der Heiligen vermittelten den mittelalterlichen Menschen, die größtenteils nicht lesen konnten, auf anschauliche Weise den christlichen Glauben.
Viele mittelalterliche Glasmalereien gingen im Zeitalter des Barocks (17./18. Jh.) verloren: Zum Teil wurden sie durch Kriegseinwirkung zerstört, viele hatte man aber auch durch Blankglas ersetzt, weil man mehr Licht in der Kirche haben wollte.
Im 19. Jahrhundert erlangten die mittelalterlichen Glasmalereien im Zusammenhang mit der romantischen Begeisterung für das Mittelalter eine neue Wertschätzung: So setzte eine Neuordnung, Reparatur und Umgestaltung ein, auch neue Fenster entstanden. Anfang des 20. Jahrhunderts gab der Freiburger Glasmaler Fritz Geiges (1853-1935) mit seiner umfassenden Neuordnung und seinen zahlreichen historisierenden Ergänzungen im mittelalterlichen Stil sowie Neuschöpfungen den Münsterfenstern ihr heutiges Gepräge.
Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurden die mittelalterlichen Fensterscheiben ausgebaut und blieben unbeschädigt. Zerstört wurden dagegen Glasscheiben des 19. Jahrhunderts, da man sie "geringachtend" in den Fenstern belassen hatte.
Das Münster hat bis heute mehrere moderne Verglasungen erhalten, zuletzt 2006 das Frauen-Fenster vom Freiburger Künstler Hans-Günther Van Look.
Die letzte umfassende Restaurierung der Fenster war von 1970 bis 1982. Hierbei erhielten sie zum größten Teil eine Außenschutzverglasung, um sie vor Verwitterung und Steinschlag zu schützen.
